Achtsamkeit in der Beziehung: Liebeskiller Smartphone

Eigentlich sollte das Handy unser Leben erleichtern. Aber immer öfter wird das Smartphone zum Streitpunkt oder Beziehungskiller. Meine Freundin, die Beziehungsberaterin Christina König aus Wiesbaden, und ich diskutieren darüber, welche Gefahren das Handy in einer Beziehung bietet…

Ein sonniger Samstag im Herbst. Christina und ich haben Gesprächsbedarf, Hunger und ein konkretes Frühstücksziel. Durch Zufall entdecken wir das Café Mandala, ein mit Herzblut geführtes Café im Münchner Westend. Wir sind sofort begeistert von der meditativen Atmosphäre und der liebevollen Einrichtung der zwei kleinen Räume. Schnell kommen wir mit dem freundlichen Inhaber-Paar Claudia und Kalman Rab ins Gespräch, zwei offene Menschen, die ihren bisherigen Jobs als Managerin und Banker den Rücken zugewandt und sich ihrem eigenen Projekt gewidmet haben: ihrem Café Mandala. Das Besondere am Café ist, dass es zugleich auch eine Geschenke-Inspiration ist und man hier schönes, hochwertiges Kunsthandwerk erwerben kann – wie zum Beispiel Glas-Mandalas vom Glaskünstler Wolfgang Nickel.

Cafe Mandala in München

Alles wird mit Liebe zubereitet. Nicht nur die herzliche Anrichtung der Speisen und Getränke, auch im Gespräch mit dem Ehepaar Rab merkt man die Begeisterung für ihr Tun. Solltest du hier einmal vorbeikommen, probiere unbedingt die goldene Milch in der Soja-Variante: ein warmes Gewürzgetränk mit Kurkuma, Vanille und Zimt, das nicht nur sehr gesund, sondern auch unheimlich lecker ist!

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Sarah: Liebe Christina, du bist Paarberaterin. Lass uns doch heute mal über ein konkretes Thema sprechen, das mich und viele Leser interessiert: das Handy in einer Beziehung. Bei vielen Paaren ist das Smartphone inzwischen immer griffbereit und zum ständigen Begleiter geworden…

Christina: Natürlich. Wir nutzen das Handy nicht nur zum Telefonieren. Das Handy ersetzt inzwischen den Fernseher. Es dient nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Information und der Unterhaltung. Wir lesen Nachrichten, hören Podcasts, schreiben Mails, fotografieren, spielen.

Sarah: Wusstest du, dass es sogar schon einen Begriff für die Angewohnheit gibt, sich mit dem Handy zu beschäftigen und sich dadurch abzuschotten, obwohl man sich in Gesellschaft befindet?

Christina: Ach, echt?

Sarah: Ja, und zwar phubbing. So nennt man die Art der digitalen Unachtsamkeit. Der Begriff setzt sich aus dem englischen für Telefon „phone“ und dem Wort „snubbing“, also jemanden vor den Kopf stoßen, zusammen. Ich bekomme im Freundeskreis mit, dass das Handy nicht nur stört, sondern sogar zum ständigen Streitpunkt in der Beziehung werden kann.

Christina: Ja, auch mein Mann war sehr oft am Handy. Das hatte damit zu tun, dass er ein sehr kommunikativer Typ war. Er wusste immer genau, was seine Freunde machen und wollte wissen, wie es ihnen geht. Da war ich am Anfang ab und zu auch eifersüchtig.

Sarah: Auf was genau warst du eifersüchtig?

Christina: Auf die Verbundenheit. Darauf, dass er in Gedanken bei jemand anderem war. Das hat natürlich etwas mit Vertrauen zu tun. Gebe ich dem anderen die Freiheit, auch seine eigenen Kontakte zu haben?

Sarah: Ja, hier geht es um das Grundbedürfnis: Aufmerksamkeit. Apropos Aufmerksamkeit: Sollte man dem Partner sagen, dass es einen stört, dass er so oft am Handy ist? Oder lasse ich ihn machen?

Christina: Man kann dem anderen ruhig sagen, dass es einem auffällt und man gerne daran teilhaben würde, was er am Handy macht. Wenn er das nicht möchte, sollte das aber auch okay sein.

Sarah: Was ist, wenn der Partner nach Hause kommt und als Erstes zum Smartphone greift? Ich habe aber eher das Bedürfnis, mich mit ihm über den Tag auszutauschen.

Offline is the new luxury.

Christina: Dann sollte man vielleicht akzeptieren, dass der andere seine Ruhe braucht. Statt Vorwürfe zu machen, kann man liebevolle Fragen stellen: „Was brauchst du jetzt gerade? Wie kann ich dir helfen, abzuschalten?“ Man sollte dem Partner ruhig etwas Zeit geben, nicht gleich in die Konfrontation gehen. Natürlich sollte man die eigenen Bedürfnisse kommunizieren, aber auch die des anderen nicht vergessen.

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Sarah: Noch eine andere Frage, die unsere Leser interessiert: Ist es okay an das Handy des anderen zu gehen?

Christina: Immer in Absprache. Eine Situation wäre: Das Handy klingelt und der Partner ist nicht in der Nähe. Im ersten Moment weiß man vielleicht nicht, wie der andere reagiert, wenn ich für ihn abhebe. Aber man kann es auch klingeln lassen und danach fragen: „Wäre es für dich in Ordnung gewesen, wenn ich für dich rangegangen wäre?“ Es ist also alles eine Kommunikationsfrage und eine Vertrauenssache.

Sarah: Was ist, wenn ich gerne den Handy PIN des anderen kennen möchte? Darf ich ihn danach fragen?

Christina: Hier beginnt die Privatsphäre des Partners. Das ist seine Entscheidung, ob er den PIN teilen möchte. Die Frage ist: Warum möchte man den PIN? Hat man Sorge, der andere hätte etwas zu verbergen?

Sarah: Ganz spannend finde ich auch das Thema Handy-Auszeit. Das kann der Beziehung sehr gut tun. In der Achtsamkeit geht es ja darum, sich Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen bewusst zu werden.

Christina: Was heißt das konkret?

Sarah: Einmal bewusst auf das Smartphone zu verzichten: zum Beispiel eine Stunde vor dem Schlafen gehen, beim gemeinsamen Fernsehen oder beim Frühstück.
Mein Mann und ich haben entschieden: Wenn wir ein Date haben, also zusammen ausgehen, dann lassen wir unsere Handys zu Hause. Man kennt ja die Situation in Restaurants. Meist liegt das Handy immer griffbereit neben dem Teller. Oder schlimmer noch: Beide Partner schauen und tippen so lange stumm in ihr Handy, bis das Essen kommt. Das ist amüsant, aber irgendwie auch traurig.

Christina: Hast du nicht trotzdem das Bedürfnis, mal aufs Handy zu schauen?

Sarah:  Natürlich ist da ein unbewusster Reflex, der Griff nach dem Handy, wenn ich das Essen fotografieren oder eine Notiz einspeichern möchte. Aber ich habe ja in dem Moment nicht die Möglichkeit dazu, weil ich das Handy zu Hause gelassen habe. Durch den bewussten Verzicht aufs Smartphone kann ich mich ganz auf meinen Partner einlassen und den Abend genießen. Diese Zeit gehört uns.

Christina: Da gebe ich dir vollkommen Recht. Die Zweisamkeit bewusst nutzen und genießen ist so wichtig. Dazu habe ich auch noch ein süßes Beispiel: Als mein Mann und ich eine neue Pizzeria entdeckten und abends ausgingen, kam zwischendurch die Kellnerin und sprach uns an. Sie fragte voller Begeisterung, ob wir frisch verliebt wären. Wir schauten uns daraufhin an, grinsten und sagten fast im Gleichklang: „Ja, schon seit sieben Jahren.“ Die junge Dame erwiderte überrascht, aber voller Herzenswärme, dass ihr bei uns aufgefallen sei, dass wir uns so tief in die Augen schauen würden, uns nicht ablenken ließen vom Handy oder wie andere Paare nur stur unser Essen essen würden, sondern das Essen auch teilen und überhaupt so liebevoll miteinander umgehen würden. Das sähe sie so selten. — Wir waren ihr sehr dankbar für diese Rückmeldung.

Sarah: Vielen Dank, liebe Christina, für dieses spannende Gespräch in Atmosphäre.

Disconnect to connect.

Liebeskiller Smartphone: der Umgang mit dem Handy in einer Beziehung

Über meine Interviewpartnerin:
Christina König ist ausgebildete Gesundheitsmanagerin. Sie hat drei Jahre lang ein autistisches Kind begleitet und therapiert und als Jahrgangsbeste eine Weiterbildung zur systemischen Familienberaterin abgeschlossen. Christina arbeitet als selbstständige Paar- und Sexualberaterin in Wiesbaden. https://koeniglicher-weg.de/


Hast du auch eine Beziehungsfrage an Christina? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar auf diesem Blog, in meiner Facebook Gruppe oder auf Instagram @SarahM.Richter

Falls du dir selbst etwas Schönes gönnen oder noch ein besonderes Geschenk für einen guten Freund zum Thema Achtsamkeit suchst, wirst du hier sicher fündig…


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17 Kommentare zu „Achtsamkeit in der Beziehung: Liebeskiller Smartphone

Gib deinen ab

  1. Möchte auf jeden Fall die Aufmerksamkeit für das Gespräch haben und lege deshalb mein Smartphone zur Seite. Bin nur dann online wenn ich Zeit alleine verbringe oder mal eine Erklärung auf Google gesucht wird…. Gehöre zur Generation ab 60 und finde es anstrengend beides gleichzeitig zu machen.

    Gefällt 1 Person

  2. Ja das Handy ist wirklich Teil unseres Alltags. Ich kenne das auch und seit ich meinen Blog habe, ist das Handy noch wichtiger. Ich versuche aber auch bewusst Zeit ohne ständige Erreichbarkeit zu verbringen und es klappt ganz gut 😃

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Sarah,
    wir haben das Thema tatsächlich in unserer Beziehung auch schon öfters thematisiert. Seit ich einen eigenen Blog habe bin ich noch sehr viel aktiver in den Social Medias und somit auch noch mehr Zeit am Handy. Wir haben einige kleine „Regeln“ für uns aufgestellt und das funktioniert ganz gut. Ich mag deine Aussage „Offline is the new luxury.“

    Viele Grüße und danke für den wertvollen Einblick!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Isa, danke für deinen Beitrag. Ich habe auch das Gefühl, dass es mit kleinen Regeln oder bewussten Auszeiten recht gut funktioniert. Und es kann auch ein tolles Gefühl sein, mal nicht erreichbar zu sein, oder?

      Liebe Grüße
      Sarah

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